Photoshop Tutorial: Baum perfekt freistellen [PSD]

Baum-freistellen-Photoshop-Tutorial_01

Freigestellte Bäume braucht jeder, der sich mit der Aufwertung von Architekturvisualisierungen beschäftigt. Sie verleihen dem Rendering den nötigen Realismus und helfen dem Betrachter zur Einschätzung von Proportionen in der Szene. Daher soll es heute darum gehen, wie man einen Baum für eine Architekturvisualisierung ordentlich freistellt. Besonderen Wert will ich neben dem ersten recht einfachen Freistellen auf die Optimierung der weißen Ränder und der im Bild verbleibenden Artefakte legen – aber lest selbst…

Schritt 1 – das richtige Ausgangsbild

Wie immer kommt der Auswahl eines Basisbildes eine besondere Bedeutung zu. Folgende Eigenschaften sollte das Foto haben:

  • guter Kontrast zwischen Baum und Hintergrund (am besten ein wolkenfreier Himmel oder auch eine weiße Wand)
  • keine störenden Elemente vor oder hinter dem Baum (weitere Bäume, Personen etc.)
  • Hohe Auflösung des Fotos – vereinfacht die Auswahl
  • leichter Sonneneinfall von einer Seite schadet nicht. In Renderings scheint schließlich immer die Sonne! Die Beleuchtung, gerade des Blattwerks, lässt sich später nicht wirklich ergänzen.

Ich nehme mir folgendes Bild für dieses Tutorial vor:

Basisbild zum Freistellen eines Baumes

Basisbild zum Freistellen eines Baumes

Schritt 2: Der Befehl Farbbereich auswählen

Diese Methode nutzt die farblichen Unterschiede zwischen Baum und Hintergrund. Der Himmel ist blau/weiß der Baum grün. Photoshop bietet hierzu unter Auswahl/Farbbereich die Funktion Farbbereiche zu selektieren.

Über Auswahl/Farbbereich den Hintergrund auswählen

Über Auswahl/Farbbereich den Hintergrund auswählen

Mit der Funktion wollen wir das blau/weiß des Himmels auswählen, um den Baum anschließend von diesen Bildbereichen zu trennen. Im Dialog kann man zunächst mit der Pipette im Basisbild einen Farbton (z.B. blau im oberen Bereich des Bildes) auswählen.

Mit der Pipette einen ersten Farbton wählen

Mit der Pipette einen ersten Farbton wählen

Stellt hierbei sicher, dass die linke der drei Pipettenbuttons im Dialog gedrückt ist. Mit diesem Pipettenbutton wählen wir die erste Farbe unserer Farbauswahl aus. Anschließend können wir mit der mittleren Pipette (mit dem kleinen Pluszeichen) weitere Farbtöne zur Auswahl hinzufügen. Mit dem Wert „Toleranz“ stellen wir zusätzlich ein wie viele benachbarte Farbtöne Photoshop zur Auswahl ebenfalls hinzufügen soll. Kleiner Wert = geringe benachbarte Farbtöne einschließen. Großer Wert = viele benachbarte Farbwerte einschließen.

Wir wählen also mit der Plus-Pipette weitere unterschiedliche Hintergrundtöne des Himmels aus bis sich in der Vorschau der Baum deutliche vom Hintergrund absetzt.

Baum-freistellen-Photoshop-Tutorial_05

Man kann ruhig etwas mehr unterschiedliche Farbwerte auswählen, auch wenn es in der Vorschau bereits ausreichend wirkt, da die Vorschau aufgrund der Größe natürlich auch nur bedingt die tatsächliche Auswahlqualität darstellt.

Nachdem wir genügend zusätzliche Farbwerte ausgewählt haben bestätigen wir mit OK und haben die Auswahl des Himmels. Um den Baum als Auswahl zu bekommen kehren wir per Umschalt+STRG+I die Auswahl um und kopieren ihn in eine neue Ebene (STRG+J).

Um die Auswahlqualität besser einschätzen zu können legen wir noch mit Umschalt+STRG+N eine neue Ebene an, füllen diese mit einem kräftigen Rot (Shortcut G) und ziehen die Ebene per Drag and Drop unterhalb der neuen Baumebene.

Das Zwischenergebnis mit einer roten Kontrastebene

Das Zwischenergebnis mit einer roten Kontrastebene

Das Ergebnis sieht schonmal ganz gut aus. Wir selektieren jetzt noch manuell mit dem Lassowerkzeug den Horizont im Hintergrund und löschen die Inhalte einfach.

Schritt 3: Unsichtbare Artefakte löschen

Eigentlich kann man den Baum so schon verwenden. Man sollte jedoch auf folgende Dinge achten: Zunächst können noch Farbwerte des Himmel im Bild enthalten sein (z.B. Wolkenelemente etc.). Diese müssen auf den ersten Blick nicht einmal sichtbar sein. Darum erstellen wir uns einfach eine ganze Reihe an Kopien der Baumebene und fügen diese (bis auf eine, die wir noch benötigen) wieder zusammen. Je öfter ich die Ebene kopiere und vereine desto deutlicher werden Bildelemente, die vorher einen hohen Transparentwert haben. Das folgende Bild verdeutlicht welche Artefakte sich noch im Bild verstecken können. Links das Ursprungsbild mit den kaum sichtbaren Artefakten – rechts das Ergebnis nach häufigem Kopieren.

Aufspüren von unsichtbaren Artefakten durch Ebenenkopie

Aufspüren von unsichtbaren Artefakten durch Ebenenkopie

Wenn ihr hier zu heftige Artefakte habt wiederholt noch einmal die Farbauswahl und erhöht die Toleranz, bzw. fügt der Auswahl mehr Farbwerte hinzu. Hauptsache die Baumkanten sind in Ordnung. Wenn das so ist könnt ihr anschließend mit dem Lasso eine Auswahl um diese Bereiche der Artefakte ziehen und diese (natürlich in der Ursprungsebene) löschen.

Um zu überprüfen ob und wo sich noch diese Artefakte verstecken könnt ihr auch mit dem Zauberstab und einer Toleranz 1px einmal in den Hintergrund der häufig kopierten Ebene klicken. Dann seht ihr auch anhand der Auswahlmarkierung wo sich noch etwas versteckt.

Schritt 4: Weiße und blaue Ränder des freigestellten Baumes korrigieren

Häufig sind jetzt noch weiße oder blaue Ränder am Blätterwerk des Baumes erkennbar.

Weiße und blaue Ränder an den Blatträndern

Weiße und blaue Ränder an den Blatträndern

Das Problem können wir wie folgt entschärfen. Wir kopieren die bisher erstellte Ebene mit dem freigestellten Baum und rufen über Bild/Korrekturen/Kanalmixer den Kanalmixer auf. Hier ist es zuerst einmal wichtig, dass wir als Ausgabekanal „Blau“ wählen, da wir nur die Blautöne des Himmels editieren möchten. Dann ziehen wir den Blau-Regler leicht runter, bis die Blautöne nicht mehr allzu dominant sind und bestätigen das Ergebnis mit OK.

Korrektur der Blautöne in kopierter Ebene

Korrektur der Blautöne in kopierter Ebene

Die so korrigierte Ebene sollte nun über der ursprünglichen Ebene liegen. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten die Ebenen zu vermischen. Eine einfache ist den Ebenenmodus der oberen „grüneren Ebene“ auf Lichtpunkt zu setzen. Für leichte Ränder wirkt das bereits sehr gut und nachdem wir die Ebenen per STRG+E mit der darunterliegenden reduziert haben ist der freigestellte Baum auch schon fertig!

Vermischung der Ebenen über den Ebenenmodus "Lichtpunkt"

Vermischung der Ebenen über den Ebenenmodus „Lichtpunkt“

Um das Ergebnis noch weiter zu verbessern kann man jetzt noch die Funktion „Ebene/Basis/Rand entfernen..“ wählen. Wenn man hier die Breite des Randes eingibt (z.b. 3 px) wird der Rand noch weiter reduziert und für mein Beispiel kann ich mit dem Ergebnis auch schon sehr gut leben.

Schritt 5: Ränder des freigestellten Baumes weiter optimieren

Wenn der freigestellte Baum noch stärkere weiße und blaue Ränder hat, die sich durch die Überblendung nicht so recht reduzieren lassen bzw. Ihr einfach ein noch mehr herausholen wollt, belasst ihr die obere „grüne Ebene“ erstmal im Ebenenmodus normal. Da wir nur die Ränder des freigestellten Baumes mit der grünen Ebene überdecken wollen müssen wir jetzt eine Auswahl erzeugen, die nur die Randbereiche des Baumes beinhaltet.

Hört sich kompliziert ist – ist aber relativ einfach. Ihr klickt einfach mit gedrückter STRG Taste auf die Ebene mit dem freigestellten Baum (einer von beiden) und erhaltet als Auswahl alle opaken also nicht transparenten Bereiche. Als nächstes wollen wir die Auswahl nach „innen versetzen“ also gehen wir auf „Auswahl/Auswahl verändern/Auswahl verkleinern…“ und wähle die Breite des Randes aus. In meinem Fall würde ich den blau-weißen Rand auf ca. 3 Pixel schätzen. Wählt aber etwas mehr, da wir den Rand später mit „Weiche Kante“ etwas glätten möchten. Ich nehme also mal 5 px.

Wie gesagt jetzt soll die Auswahl noch etwas weicher werden, damit später der Übergang zwischen originaler Ebene und der „grünen Ebene“ nicht zu deutlich erkennbar wird. Wir wählen also als nächstes mit Alt+STRG+D den Dialog „Weiche Kante“ und wählen hier 1px – will heißen in einem Bereich von einem Pixel wird die Auswahl etwas gesoftet.

Jetzt müssen wir nur noch die Auswahl einmal per Umschalt+STRG+I umkehren, von der grünen Ebene löschen und die beiden Ebenen vereinigen.

Was haben wir jetzt? Wir haben nur den Randbereich, der vorher eher weiß-bläulich war, mit der Ebene die wir mit dem Kanalmixer bearbeitet haben überlagert. Mit dem Ergebnis kann man denke ich sehr zufrieden sein, dafür dass man eigentlich kaum etwas manuell nachbearbeiten musste:

Ergebnis bei Kombination durch Selektion der Randbereiche

Ergebnis bei Kombination durch Selektion der Randbereiche

Ich hoffe euch hat das Tutorial gefallen. Vielleicht habt ihr ähnliche Techniken entwickelt gerade die Randbereiche in den Griff zu bekommen. Hier würde ich mich besonders über eure Kommentare freuen, was ihr von der Herangehensweise haltet.

.PSD Baum – das Ergebnis:

Und für alle die bis hierhin durchgehalten haben gibt’s als Belohnung auch den freigestellten Baum in voller Auflösung als kostenlosen Download.

Der fertig freigestellte Baum

Der fertig freigestellte Baum

Für alle die nicht die passenden Basisfotos parat haben, oder denen schlicht die Zeit für ein aufwendiges manuelles Freistellen fehlt seien unsere CDs mit freigestellten Bäumen empfohlen, die ihr bei uns im Shop für kleines Geld erwerben könnt.  Die Starterediton „CutoutTrees V01″ bietet z.B. 77 hochaufgelöste und exakt freigestellte Bäume und Pflanzen für die Architekturvisualisierung.

Freigestellt-Baeume_Architektur_V01_A

Den fertigen Baum dieses Tutorials könnt Ihr euch sogar kostenlos herunterladen. Der fertige Baum hat eine Auflösung von 2700 px x 1700 px und liegt als .PNG mit Transparenz vor. Ihr könnt den freigestellten Baum hier kostenlos herunterladen:

Cut-Out-Tree-Tutorial-Result.zip

P.s. Die Datei kann für Eure private UND kommerzielle Projekte verwendet werden. Aber beachtet bitte, dass eine Weitergabe der Datei nicht erlaubt ist. Wenn Ihr die Datei weiterempfehlen möchtet, empfehlt uns weiter oder verlinkt uns bitte. Vielen Dank!

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