Visualisierung in der Landschaftsarchitektur – Interview Kai Helfenbein

Ich konnte den Landschaftsarchitekten Kai Helfenbein für ein Interview gewinnen, in dem er uns seine Herangehensweise an das Thema Visualisierung in der Landschaftsarchitektur beschreibt. Kai wurde beim Schinkelwettbewerb 2011 mit einem Anerkennungspreis und einem Reisestipendium für seine Arbeit „Science City, Die unbedingte Universität“ ausgezeichnet.

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Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast. Erzähle uns doch als Einstieg, wie Du zur Landschaftsarchitektur gefunden hast.
Die Frage ist sehr spannend jedoch würde hier eine detaillierte Antwort den Rahmen weit überschreiten, ich versuche jedoch kurz und knapp zu antworten.
Mich hat schon immer gute Architektur begeistert und hier meine ich nicht nur die heutige Architektur, nein sondern vor allem die wirklich großen Vorbilder wie Le Corbusier und Mies van der Rohe um nur ein Einige zu nennen. Mein persönlicher Favorit ist allerdings aus heutiger Zeit Peter Zumthor.
Allerdings fasziniert mich die Symbiose zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur noch mehr und ich persönlich möchte genau diese Schnittstelle, dieses Spannungsfeld bearbeiten. Ich finde es jedoch spannend von außen nach innen zu denken. Ich schweife ab und deshalb machen wir lieber mit der nächsten Frage weiter…

Das Thema 3D Modellierung und Visualisierung von Architektur, genauer der Landschaftsarchitektur war für Dich ja schon immer relevant. Wie kam es dazu und was fasziniert Dich daran besonders?
Der Studiengang Landschaftsarchitektur an der Uni Kassel ist zum einen sehr experimentell und zum anderen sehr technisch orientiert. Man bekommt hier die einmalige Chance seine Ideen über unterschiedliche Medien und Werkzeuge wie z.B. Film, Skizze oder auch die 3D Modellierung zum Ausdruck zu bringen. Hierbei hat sich für mich unter anderem die 3D Modellierung als sehr gutes Werkzeug heraus kristallisiert. Mir ist es hiermit vor allem möglich meine Idee als Bild zu transportieren und anderen meinen Gedankenprozess zu vermitteln.
An dieser Stelle fällt mir ein schönes Zitat ein, was ich sehr treffend finde: „
„Wir verkaufen nicht den Garten oder Park, wir verkaufen das Bild eines Gartens oder Parks“ (Büro Plancontext, April 2007)

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Gab es für Dich ein besonders wichtiges Projekt über das Du uns mehr verraten kannst?
Es gibt zahlreiche Projekte über die ich reden könnte aber ich glaube das würde eure Leser langweilen.

Welche Software setzt Du aktuell besonders gerne für welche Aufgaben ein?
Mittlerweile benutze ich sehr gerne Sketchup. Wenn man sich mit diesem Tool näher befasst hat erkennt man schnell, dass es hervorragende Eigenschaften hat – für meine Anwendungen ist es genau das richtige Werkzeug. Das Programm bietet die Möglichkeit seinem Kunden relativ schnell einen ersten Eindruck der Entwurfsidee zu vermitteln und vor allem schnellstmöglich die Änderungen und Wünsche der Bauherren umzusetzen.
Für ein finales Rendering benutze ich dann meist Cinema 4D da die Einstellungsmöglichkeiten doch weit umfassender sind.

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Hast Du auch Erfahrungen mit anderen Programmen gesammelt?
Ja ich habe mich kurze Zeit mit Maya und Rhino befasst, habe allerdings schnell gemerkt dass diese Programme für meine Anforderungen meist zu kompliziert und komplex sind. Ich möchte hier aber ganz deutlich machen dass diese Programme für den jeweiligen Anwender in der geforderten Branche natürlich ganz eigene Vorzüge besitzen. Ich denke jeder muss für seine Anwendung das richtige Programm finden. Ich hatte das Glück an der Uni Kassel mit verschiedenen Programmen experimentieren zu können.

Nutzt Du unterschiedliche Programme oder Vorgehensweisen für unterschiedliche Projektstufen?
Je nach Aufgabenstellung ergeben sich hierbei unterschiedliche Vorgehensweisen, den „einen Weg“ gibt es hierbei glaube ich nicht ich spreche dann lieber von einem“ Schaffens Prozess “ und je nach Anforderung bediene ich mich dann dem jeweiligen Werkzeug.
Jedoch gab es Projekte in der Vergangenheit wo ich gerne Sketchup für die Entwurfsstudien und zur Überprüfung des Entwurfs im Kontext genutzt habe. Ich Wechsel dann sehr oft zwischen 3D und 2D um den Entwurf immer wieder im räumlichen Kontext zu prüfen. Meiner Meinung nach ist Sketchup hierfür sehr gut geeignet. Das real gebaute Modell ist meiner Meinung nach zwar für diesen Prozess das geeignetste Medium allerdings aufgrund von Zeitmangel lässt sich dies oft nicht realisieren und somit bietet ein 3D Modell doch zumindest den Ansatz hierfür.
Wenn ich im weiteren Verlauf meine Entwurfsidee noch unterstreichen möchte arbeite ich die weiteren Details dann in Cinema 4D aus, um dem ganzen mehr Realismus zu verleihen. Hierbei sind aber auch andere Faktoren relevant:

  • Wem präsentiere ich meine Idee
  • Welche Leistungsphase wird gerade bearbeitet
  • Welche Budget steht zur Verfügung
  • Gibt es Termindruck

All das spielt eine wichtige Rolle bei der Wahl der richtigen Herangehens- und Darstellungsweise.
Mein wichtigster Ansatz bei der Visualisierung ist aber nach wie vor sich immer in den Betrachter zu versetzten und die Entwurfsidee prägnant und einfach darzustellen damit die Intention unmittelbar verstanden wird.

Versuchst Du eher möglichst viel direkt aus der 3D Umgebung mit zu rendern oder liegt der Schwerpunkt auf dem Post Processing?  
Teils teils. Ein hoher Anteil an 3D Umgebung bedeutet oftmals lange Modellierungszeiten und vor allem lange Renderzeiten.
Diese ist jedoch auch wieder abhängig von der Entwurfsidee. Ich überlege mir während des Entwurfsprozess dann was und wie ich es darstellen möchte. Wenn es z.B. notwendig ist den städtebaulichen Kontext anhand einer Überflugperspektive darzustellen modelliere ich die benötigten Gebäude gleich mit. Wenn es aber nur um die Detaildarstellung eines einzelnen Objektes geht bei dem der Kontext nicht im Vordergrund steht versuche ich die weiteren Bearbeitungen wie das Zuweisen von Texturen etc. im Post Processing zu lösen. Hierbei wäge ich basierend auf den oben genannten Randbedingungen immer wieder ab.

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Was hat sich rückblickend im Bereich der Entwurfs-Visualisierung in den letzen Jahren besonders stark verändert. Gibt es interessante Trends die Du in der Branche siehst?
Meiner Meinung nach sind verschiedene Entwicklungen zumindest in der Architektur bzw. Landschaftsarchitektur zu beobachten:
Zum einem ist der Trend erkennbar, dass aufgrund der immer komplexer werdenden Renderprogrammen, der Realitätsgrad stets zunimmt und jegliche Details dargestellt werden, was meiner Meinung nach manchmal auch störend sein kann.
Zum andern sieht man aber auch wieder vermehrt die skizzenhafte Darstellung in Kombination mit 3D Stills was ich persönlich sehr gut finde. Je nach Projekt muss man immer individuell entscheiden welche Darstellung und welches Werkzeug die eigene Idee am besten vermitteln.

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Herzlichen Dank für das Interview!
Vielen Dank für das Interview und ich hoffe, dass ich einen kurzen Einblick über meine Vorgehensweise geben konnte.

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